ZDF Reportage 2009

ZDF Reportage Aktion Lebensmut



sunshine Kids am Tegernsee - Aktion "Lebensmut"


Freizeit für geschundene Seelen

Mit ihrem Verein "sunshine4kids" organisiert Gaby Schäfer Ausflüge und Reisen für Kinder, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden. Ehrenamtlich sorgt sie dafür, dass die Kinder ihre Sorgen und Nöte für ein paar Stunden oder Tage vergessen können. Mona Lisa hat den Ausflug ihrer Gruppe an den bayerischen Tegernsee begleitetDrucken Versenden Sendung vom 04.10.2009 Der Aufstieg ist für die Kinder beschwerlich, hoch oben über dem Tegernsee, aber nur halb so beschwerlich wie ihr bisheriger Lebensweg. Der elfjährige Mark hat vor eineinhalb Jahren seine Mutter verloren, der Vater der 14-jährigen Julia hat sich das Leben genommen und Sebastian erzählt mit seinen 14 Jahren, dass ihn seine Eltern nicht wollten.

Die Last ablegen

32 Kinder mit zum Teil traurigen Schicksalen machen sich auf den Weg zu einer Hütte in den Voralpen in 1260 Metern Höhe. Das Abenteuerwochenende hat Gaby Schäfer mit ihrem Verein "sunshine4kids" organisiert. Eine Ablenkung von den Sorgen, wie sie Sebastian zum Beispiel hat. Seine Eltern sind verschwunden als er noch ein Baby war. Die genauen Umstände kennt er nicht, weiß nur, dass seine Mutter ihn nicht wollte. Seitdem lebt Sebastian bei den Großeltern. Die sind über siebzig und verreisen mit ihm nie. Sebastian: "Leisten können wir uns das nicht, da meine Oma nicht arbeitet. Mein Opa kriegt Pflegegeld, meine Oma kriegt Rente und das war's dann auch. Damit müssen wir im Monat durchkommen."

Der Sinn für Gemeinschaft wird bei den Kindern geweckt.
Der Ausflug ist für ihn kostenlos, wie für alle anderen auch. In den Bergen kann er für kurze Zeit seine Sorgen und die große Angst um seine Großeltern, seine einzigen Bezugspersonen, vergessen. Sebastian ist beunruhigt: "Die könnten ja jetzt sterben. Das wäre ziemlich schlimm für mich, weil ich dann entweder ins Kinderheim müsste oder einen anderen Ausweg finden müsste. Das wäre für mich der Zusammenbruch meines ganzen Umfelds."


Vertrauen aufbauen

Wie Sebastian kommen die meisten Kinder aus sozial schwachen Familien und waren schon lange nicht mehr im Urlaub. Nach zwei Stunden Aufstieg erreichen sie die Buchsteinhütte. Die Schlafzimmer werden erobert, erste vorsichtige Annäherungen gemacht. Neue Freunde finden und Berührungsängste überwinden, sich mal ausgelassen fallen zu lassen, das ist für sie alle nicht selbstverständlich und deshalb gar nicht so leicht. Gaby Schäfer möchte den Kindern dabei helfen: "Wir haben Kinder mit unterschiedlichen Schicksalen und da wollen wir dafür sorgen, dass die Kinder durch diese Aktion neuen Lebensmut für den Alltag fassen können."
Seit Jahren werden diese Ferienreisen vom Verein "sunshine4kids" organisiert, um Kindern ein Stückchen Glück zu schenken, wenigstens für ein paar Stunden. Am nächsten Morgen runter ins Tal: Es geht zum Tegernsee für ein neues Abenteuer - diesmal auf dem Wasser. Beim Segeln scheinen die Probleme wie weggeblasen, wenn auch nur kurzzeitig.


Ängste besiegen

Die 14-jährige Julia hat gerade erlebt, was es heißt, einen Elternteil zu verlieren. Ihr Vater hat sich im Februar das Leben genommen. Alles was ihr von ihm bleibt, sind die Erinnerungen, die sie mit ihm hat. Das mache sie auch wieder stark, erklärt Julia. Monate hat sie gebraucht, um mit dem Schmerz umgehen zu können. Und eines ist ihr, wie sie uns sagt, besonders wichtig: "Dass ich meine Freunde und alle für immer behalten kann."
Es sind die kleinen Dinge des Lebens wie solche Bootsfahrten, die Kindern wie Julia helfen, wieder Tritt zu fassen, wieder Freude zu empfinden. Dank vieler ehrenamtlicher Helfer und der finanziellen Unterstützung durch Organisationen und Unternehmen sind solche Aktionen möglich.


Neuen Mut fassen

Auch der 11-jährige Mark fühlt sich frei und so gut wie schon lange nicht mehr. Seine Mutter starb letztes Jahr an Herzversagen. Es sei so hart gewesen, dass er fast nicht mehr aufhören konnte zu weinen, erzählt der Junge. Seinen Vater hat Mark nie kennengelernt, nun lebt er bei seiner Oma, die er sehr mag. Trotzdem vermisst er seine Mutter schrecklich, wie er sagt: "Sie wird mir mein ganzes Leben lang fehlen und ich werde auch jeden Tag weiter an sie denken, egal, was passiert." Weil er sie so sehr liebe, fügt er hinzu.

Am Lagerfeuer klingt der Abend aus.
Später am Abend, am Lagerfeuer, blickt man auf die gemeinsamen Stunden zurück. Das Fazit von Gaby Schäfer: "Das macht mich superglücklich, wenn ich sehe, dass auch diese paar Tage so viel Positives bewirken können! Einfach wunderschön." Auch die Kinder sind glücklich darüber, dass sie neue Freunde gefunden haben, zusammen Spaß hatten und gemeinsam gefeiert haben. Das nehmen sie fast alle mit nach Hause: Neue Freunde, neue Eindrücke, neuen Lebensmut. Ein kurzes Wochenende, ein kleines Glück - aber hoffentlich mit großer Wirkung.


Zur ZDF Reportage:

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